Geburtstagsparty von Digi, oder nicht alle Fotos gehören ins Internet2021-07-20T12:22:55+02:00

4. Geburtstagsparty von Digi, oder nicht alle Fotos gehören ins Internet

Die Geburtstagsparty war vorbei, alle Meereskinder sind von ihren Eltern abgeholt worden. Digi sitzt alleine in seinem Zimmer und schaut sich die vielen Fotos an, die sein Bruder und er während der Party gemacht haben. Auf den ersten Bildern kann man den Anfang der Feier sehen: alle Gäste im Zimmer von Digi, er selbst mittendrin und vor ihm auf dem Tisch viele hübsch verpackte Geschenke. Alle Kinder schauen Digi mit fröhlichen Gesichtern an. Auf einem anderen Bild kann man Mama mit der Geburtstagstorte in den Flossen sehen.
Es war so eine tolle Überraschung, als im Zimmer plötzlich das Licht ausging, sich die Tür öffnete und man im Türrahmen mehrere kleine Lichter erkannte, die sich auf Digi zubewegten. Das war Mama Delfin und sie hielt in ihren Flossen eine Torte mit zehn Kerzen! Ach, wie glücklich Digi dabei war, als alle seine Freunde und seine Familie Happy Birthday to You sangen und Digi aufforderten, sich etwas zu wünschen und die Kerzen auszupusten. Digi wünschte sich eine lustige und fröhliche Geburtstagsparty. Und das ist ihm geglückt. Wie toll, dass er nun ein Smartphone mit einer Fotokamera hat und so auch alles fotografieren kann. Es sind viele lustige Bilder entstanden, die Digi sich jetzt anschauen und sich dabei an die tolle Party erinnern wird.
Da spielten sie alle Topfschlagen und auf dem nächsten Bild die Reise nach Jerusalem. Dabei sieht man, wie alle Kinder um den Stuhlkreis tanzen und Mimi schaut so fröhlich, wobei sie sonst im Leben fast immer ernst ist. Und der Igelfisch Tom pustet seine beiden Backen vor Anstrengung auf und sieht noch runder aus als sonst. Komisch, im echten Leben beim Tanzen fiel das gar nicht auf, aber auf dem Foto merkt man, dass die Kamera schon lustige Augenblicke festhalten kann. Das muss ich Mimi und Tom zeigen!
Auf dem nächsten Bild sieht man Kai lachen, alle seine tausend Zähne blitzen auf, huh, ist das furchterregend! Wer nicht weiß, wie nett Hai-Kind Kai ist, könnte beim Anschauen dieses Fotos denken, dass er das Delfin-Mädchen Jule gleich beißen würde. Aber Kai ist ein netter und lustiger Fischjunge und würde nicht mal einem Goldfisch etwas zu Leide tun.
Digi schaut sich weitere Bilder an. Dabei muss er häufig lachen, wie lustig man auf Fotos aussehen kann! „Das muss ich morgen in der Schule den anderen Kindern zeigen!“, ruft er. Digi kuschelt sich in sein Bett und schläft bald darauf zufrieden ein.
Am nächsten Morgen wacht Digi rechtzeitig auf, frühstückt, putzt seine Zähne und schwimmt zur Schule. Sein Smartphone nimmt er mit. Er will die Fotos von der gestrigen Geburtstagsfeier seinen Freundinnen und Freunden in der Schule zeigen.
Als Digi in der Schule ankommt, sieht er von weitem Kai, Tom und Jule. Sie haben alle finstere Gesichter. „Gleich werden sie lachen“, denkt sich Digi und schwimmt auf sie zu. Dabei streckt er seine Flosse, in der er das Smartphone nach vorne hält, aus und ruft seinen Freunden fröhlich zu:
„Schaut, was ich euch zeigen möchte! Es sind gestern so tolle Fotos gemacht worden.“
„Das wissen wir bereits“, sagt Jule. In ihren großen Augen kann man Tränen erkennen.
„Genauer gesagt wissen das alle in der Schule und im ganzen Blauen Meer“, sagt Hai-Kind Kai und schaut Digi böse an.
„Wie konntest du das bloß tun?“, ruft Tom und pustet seine Backen auf, sodass die Stacheln plötzlich lang und spitz sind – nicht mehr so niedlich wie auf dem Foto von gestern, als er sie beim Tanzen um den Stuhlkreis aufgepustet hat.
„Was ist passiert?“, fragt Digi und merkt, dass es seinen Freunden sehr ernst ist.
„Du hast doch Fotos von deiner Feier gestern auf Fischbook gepostet! Schau nur, wie ich da aussehe!“
Tom zeigt Digi sein Smartphone. Auf dem Display ist ein Foto, auf dem man Tom und Mimi beim Tanzen erkennen kann. Dabei sehen die beiden so komisch aus – als würde Mimi Tom mit ihren Armen in die Backen kneifen.
„Und ich, wie sehe ich auf dem Bild aus?“, ruft Hai-Kind Kai und streckt ihm die Flosse mit seinem Smartphone entgegen. Auf dem Display sieht Digi das Bild von Kai, auf dem er sein Maul aufreißt und direkt hinter seinen tausend Zähnen kann man den Kopf vom Delfin-Mädchen Jule erkennen.  Es sieht so aus, als hätte Kai den Rest von Jule verschlungen. Nur ihr Kopf ist noch übrig.
„Das war doch so nicht! Das ist gemein, Digi!“, schluchzt Jule, „und überhaupt, warum hast du unsere Bilder allen auf Fischbook gezeigt? Du solltest uns vorher fragen, ob du das darfst!“
„Aber, aber, ich habe nichts gepostet“, sagt Digi und weint beinahe.
„Das ist unfassbar!“  Alle hören die Stimme von Mimi und drehen sich um. Mimi eilt zu der Gruppe und sagt:
„Habt ihr das gesehen? Jemand hat uns gestern beim Feiern fotografiert, ein Fake-Profil mit Digis Namen auf Fischbook angelegt und die Bilder dort hochgeladen!“, sagt Mimi aufgebracht. Ihr Gesicht zeigt höchste Empörung.
„Wir dachten, es sei Digi gewesen“, antworten die drei Freunde einstimmig.
„Das stimmt nicht. Schaut, auf einem Bild ist Digi abgebildet, er tanzt doch mit uns zusammen.“
„Ja, klar! Sein Bruder hatte doch die Fotos gemacht“, fügt Tom hinzu.
„Und diese Fotos habe ich hier!“, ruft Digi und zeigt dabei sein Smartphone vor.
Die Meereskinder schwimmen um Digi herum und schauen sich die Bilder auf seinem Smartphone an. In der Tat, die Fotos, welche Digi zeigt, sind ein bisschen anders. Auf einem der Bilder ist auch ein Stück Fenster abgebildet und man kann erkennen, dass zwei große Augen ins Zimmer hereinschauen! Das nächste Foto zeigt alle Freunde um den Stuhlkreis tanzend: Mimi, Tom, Kai, Jule, Digis kleine Schwester und Digi selbst. Das Fenster ist auch zu sehen und beim genaueren Hinschauen kann man neben den fremden Augen auch drei lange, glitschige Arme erkennen, die sich offenbar zur anderen Seite der Fensterscheibe geschlängelt haben. Digi öffnet das nächste Foto, und… oh Schreck! Man kann eine Fotokamera durch das Fensterglas erkennen! Kein Zweifel – jemand fotografierte die fröhliche Geburtstagsfeier von der anderen Seite des Fensters. Aber wer könnte das nur sein?
 „Wir müssen das unserer Lehrerin melden, denn es ist verboten, jemanden ungefragt zu fotografieren“, sagt Mimi.
„Es ist auch verboten, Bilder ungefragt auf Fischbook oder sonst irgendwo öffentlich zu posten, wenn man nicht das Einverständnis der- oder desjenigen auf dem Foto hat. Denn jedes Meerwesen hat ein Recht am eigenen Bild“, fügt Mimi hinzu.
„Besonders peinliche Fotos von anderen dürfen nicht weitergeschickt werden“, pflichtet ihr Hai-Kind Kai bei.
„Was hat es mit dem Profil auf Fischbook, das in meinem Namen erstellt wurde, auf sich?“, fragt Digi.
Sowohl Digi als auch die anderen Kinder wussten, dass man sich im Internet nicht mit eigenem Namen und eigenem Foto anmelden soll. So hatte auch Digi nach dem Gespräch mit Mimi sein ursprüngliches Profil geändert und hieß nun nicht Digi, der Delfin, sondern Digifin. Und statt seinem Foto hat er seinen Lieblingsball fotografiert. So konnten ihn seine Freunde auf Fischbook wiederfinden.
Das fremde Profil mit den fiesen Bildern wurde angeblich von einem Digi geführt. Auch auf dem Foto war ein Delfin zu sehen, der Digi sehr ähnlich sah.
Wie könnten die Meereskinder dieses Profil vom Fake-Digi mit den Fotos nur aus der Welt schaffen? Mimi wusste wie immer die Lösung:
„Wir melden den Fake-Account bei Fischbook!“
Dafür führt Mimi den Cursor auf das Profil vom falschen Digi, klickt hier und dort, bis ein Fensterchen mit mehreren Optionen erscheint und klickt dort auf die Zeile „Profil melden“. Nach wenigen Minuten ist das Profil samt allen Bildern verschwunden. Das ging noch einmal gut aus!
Eine Frage bleibt aber offen: Wer war dieses Wesen und vor allem warum hat er oder sie die Feier heimlich fotografiert und peinliche Bilder auf Fischbook für alle sichtbar gemacht? Das beschäftigt Digi und seine Freunde sehr. Eines war klar: Dieses Wesen hatte nichts Gutes im Sinn und wollte Digi, Mimi und deren Freundinnen und Freunden schaden.
Und du, liebe Leserin, lieber Leser – hast du eine Idee, wer sich bei Fischbook zuerst für Mimi und später für Digi ausgegeben hat? Welches Meereswesen hat solche langen Arme?
Geschichte von Valentina Dann
 

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DIGI-MEE[H]R – Sicher schwimmen im Internet ist ein Kooperationsprojekt der Verbraucherzentrale Berlin e.V. und dem Club Dialog e.V., gefördert von der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung Berlin.

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