Übung macht den Meister2021-07-20T12:23:50+02:00

6. Übung macht den Meister

[Die Vorgeschichte „Suche im Internet – oder wie findet man ein Sandkorn auf dem Meeresgrund“ findest du hier]
Mimi ging voller Elan und mit guter Laune nach Hause, weil Digi wieder etwas gelernt hatte.
Digi setzte sich an den Schreibtisch.
„Jetzt kann ich schneller die Hausaufgaben erledigen!“
Er machte seine Hausaufgaben für Mathe sowie für Schönschreiben fertig und nun war die Aufgabe für die nächste Woche an der Reihe, aber die war gewaltig: Digi sollte einen Vortrag halten. Das Thema hieß „Der bekannteste Meeressäuger der Welt“.
„Ich mache sie schon jetzt“, sagte Digi, denn bis zu seiner Verabredung mit dem Hai-Kind Kai auf der Meereswiese hatte er noch ganze zwei Stunden Zeit.
„Huh, Meeressäuger…. Wer könnte es sein? Sogar der bekannteste der Welt!“
Die Lehrerin meinte bestimmt, Digi müsse sehr gut darüber Bescheid wissen.
„Aber ich weiß nicht einmal, wer es sein könnte. Ich kenne Fische, Krabben, Seesterne, Kraken… Die Krake! Och, diese gemeine Krake, nach der muss ich auch noch suchen. Aber später, zuerst die Hausaufgaben.“
„Wie finde ich bloß heraus, wer das ist, der bekannteste Meeressäuger der Welt?“
„Aha! Die Antwort kann ich doch im Internet finden.“
Digi schaltete das Internet auf seinem Smartphone ein.
„Wieder diese Suchmaschine für Erwachsene.“
Da Digi schon Bescheid wusste, dass es Kindersuchmaschinen gibt, suchte er danach und wurde fündig.
„Ach, es gibt doch mehrere, aber eine kenne ich schon: Blinde Kuh. Dann nehme ich eine andere.“
Aus der Trefferliste suchte Digi die zweitplatzierte Kindersuchmaschine heraus und klickte darauf. Die Seite ging auf, aber sofort kam auch ein kleines Fensterchen und verdeckte die Hauptseite. In dem kleinen Fenster stand ganz oben geschrieben:
„Wir verwenden Cookies.“
„Cookies?! – Ich liebe Kekse!“, rief Digi begeistert. Aber dass es Cookies im Internet gibt, davon wusste er noch nichts.
Unten gab es zwei Buttons mit folgendem Text:
Ja, ich akzeptiere Cookies.“ und „Nein, ich akzeptiere keine Cookies.“
„Klar akzeptiere ich Cookies“, sagte Digi und klickte auf den Button.
„Das Internet ist wirklich genial, sogar Cookies gibt es hier“, dachte Digi bei sich. Er setzte sich bereit und starrte auf den Bildschirm. Es vergingen zwei, drei, dann vier Minuten, aber keine Cookies waren zu sehen.
„Bloom-Bloom“, das Telefon klingelte. Digi nahm den Hörer ab. Es war Mimi.
„Hallo Digi, hier ist Mimi, hast du kurz Zeit?“
„Hallo Mimi, aber nein, ich habe gerade keine Zeit, ich warte auf Cookies. Bis später.“
Digi war im Begriff, den Hörer aufzulegen.
„Warte, Digi! Backst du etwa Kekse? Du wolltest doch Hausaufgaben machen und dann auf die Meereswiese schwimmen.“
„Nein, ich backe nicht. Ich habe schon die Hausaufgaben für morgen gemacht. Da ich Zeit hatte, wollte ich mich schon auf die nächste Woche vorbereiten. Ich muss ein Referat über den bekanntesten Meeressäuger der Welt halten. Aber ich kenne keinen Meeressäuger und deswegen wollte ich mit einer Kindersuchmaschine im Internet etwas darüber finden.“
Digi erzählte Mimi die ganze Geschichte und davon, wie er auf die Cookies kam.
„Aber Digi, Cookies im Internet sind keine echten Kekse. Cookies im Internet sind kleine Textdateien, die beim Surfen im Internet im Hintergrund sind und jeden deiner Besuche von Internetseiten und wonach du dort suchst, speichern. Wenn du auf dieser Seite wieder surfst, dann wirst du sofort erkannt.“
„Sowas…“, murmelte Digi und seufzte.
„Danke dir, Mimi, dass du mir das erklärt hast, sonst hätte ich hier noch lange gesessen und gewartet. Ich muss doch mein Referat vorbereiten.“
„Digi, aber wenn du Informationen oder Bilder für deinen Vortrag gefunden hast und diese dann auch verwenden möchtest, musst du ganz genau aufpassen. Weil man Texte, Bilder, Videos oder Musik nicht einfach nehmen und wiederverwenden darf. Vieles, was im Internet zu finden ist, gehört jemandem und ist urheberrechtlich geschützt. Es gibt bestimmte Regeln, die man unbedingt beachten muss. Am besten surfst du auf Internetseiten, die frei verwendbare Bilder, Musik und Videos anbieten. Aber das erkläre ich dir später. Nun sag mir, ob du heute auf die Meereswiese zum Spielen kommst, du bist doch mit Hai Kai dort verabredet. Ich bin auch mit den Hausaufgaben fertig und würde gern zu euch kommen. Jule und Tom sind auch dabei, das hat mir Jule über den Messenger geschrieben. In einer Stunde treffen wir uns.“
„Klar werde ich kommen, ich recherchiere hier noch bisschen und dann schwimme ich zu euch.“
„Vergiss bitte deinen Ball nicht! Bis später!“
Digi legte den Hörer auf und wandte sich wieder dem Smartphone zu. Um zu recherchieren, tippte er im Suchfeld „Meeressäuger“ ein und klickte los. Gerade wollte er sich die Trefferliste anschauen, da hörte er:
„Blom-Blom“, es war sein Messenger. Digi schaute hinein. Es war eine Nachricht von Jule. Was stand darin?
„Wenn du wissen willst, ob deine Freunde dich gern haben, schicke diese Nachricht an 10 von deinen Freunden und auch an mich.“
„Klar will ich wissen, ob meine Freunde mich gern haben“, dachte Digi und schickte die Nachricht an alle seine Freunde, deren Nummer er in seinem Adressbuch auf dem Smartphone hatte. Dazu schrieb er auch noch „Bis in einer Stunde auf der Meereswiese! Euer Digi.“ Da er nur fünf Freunde hatte, musste er noch fünf andere Adressaten haben.
„Woher nehme ich die nur?“ Ohne nachzudenken, setzte Digi diese Nachricht an eine unbekannte Nummer ab, die kürzlich als Freundschaftsanfrage auf seinem Smartphone erschienen war.
Zufrieden setzte er sich hin, schaute auf den Bildschirm und wartete darauf, wer ihm alles antworten würde.
Die erste Antwort kam sehr schnell von Mimi: „Digi, sende mir bitte keine Kettenbriefe!“
„Kettenbrief? Was ist das? Das muss ich Mimi nachher fragen.“
Digi schaute auf die Uhr. Es war schon Zeit, sich auf den Weg zur Meereswiese zu machen.
Fröhlich stupste er mit der Nase seinen Ball vor sich her. Er freute sich, dass er wieder Zeit hatte, mit seinen Freunden zu spielen.
„Auf der Meeresoberfläche ist es am besten, aber Igelfisch Tom und Seestern Mimi können nicht an die Meeresoberfläche schwimmen. Macht nichts, dann spielen wir Ball auf der Meereswiese, Hauptsache alle meine Freunde sind dabei.“
Schon von weitem sah Digi auf der Meereswiese Tom, das Delfinmädchen Jule, Hai-Kind Kai und Mimi. Mimi gestikulierte eifrig mit ihren Armen.
„Was erzählt Mimi da?“ Neugierig schwamm Digi an die Gruppe heran und hörte:
„Kettenbriefe sind Mitteilungen, die man meistens an viele Adressaten verschickt und sie dazu auffordert, diese ebenfalls weiter zu verschicken. Es gibt solche freundlichen Briefe, wie wir sie heute von Jule und Digi erhalten haben. Aber es gibt auch solche, die Angst machen können. Wichtig ist, dass ihr ihn nicht weiter verschickt, wenn ihr einen solchen Brief bekommt. Sie sind zeitraubend und können auch Viren enthalten.“
Jule sagte, dass sie auch nicht gewusst hätte, was das ist und dass sie dem geglaubt hätte, was in der Nachricht stand. Digi wurde rot im Gesicht. Er entschuldigte sich ebenfalls bei den Freunden.
Mimi sah Digi an und sagte: „Digi, bitte alle Kettenbriefe sofort löschen und auf keinen Fall weiterschicken! Zumal du auch in diesen Briefen geschrieben hast, wann und wo wir uns treffen. Ein Glück, dass du sie nur an uns geschickt hast.“
Dabei wurde Digi noch röter im Gesicht. Mimi merkte das und fragte streng: „Oder?“
Digi wollte gerade von der Freundschaftsanfrage mit einer unbekannten Nummer erzählen, an die er die Nachricht auch gesendet hatte, als er sah, dass sich etwas im Sand auf dem Meeresgrund bewegte. Acht lange Arme konnte man erkennen.
„Da! Schaut!“, rief Digi und zeigte mit der Flosse auf einen kleinen Hügel im Sand und auf die acht langen Arme. Der Hügel samt der Arme bewegte sich langsam in Richtung der Meereskinder.
„Die Krake!“, riefen Tom, Kai, Jule, Mimi und Digi einstimmig.
„Ich bin der Oktopus Paul aus der Molluskensiedlung“, hörten sie als Antwort darauf. „Ich bin auch ein Schulkind und gehe in die Steingrundschule in der Seepferdchengasse. Darf ich mit euch spielen?“, fragte die Krake die Kinder verlegen.
„Warst Du es hinter dem grauen Stein in der Seepferdchengasse?“, fragte Digi.
„Warst Du das hinter dem Fenster bei Digis Geburtstag?“, fragte Kai.
„Warst Du das mit den gemeinen Bildern bei Fishbook?“, rief Jule.
„Ich verstehe“, sagte Mimi. „Die rätselhafte Freundschaftsanfrage, die Digi erhalten hatte, war auch von dir. Die unbekannte Nummer bei Digi, an die Digi dir den Kettenbrief geschickt hat, war also deine!“
Oktopus Paul nickte verlegen mit seinem großen Kopf.
„Aber woher hattest du meine Telefonnummer? Und warum hast du mir diese Streiche gespielt?“, fragte ihn Digi.
„Das ist eine lange Geschichte“, antwortete Paul. „Es war falsch von mir, entschuldige bitte. Und deine Telefonnummer habe ich bei Jule abgeguckt, als sie ihr Smartphone kurz auf dem Meeresgrund liegen ließ und eine Runde schwimmen war.“
„Das ist gemein!“, rief Jule aufgeregt. „Ein Smartphone ist Privatsache und man darf nicht in ein fremdes Smartphone schauen, auch nicht wenn es einfach da liegt. Das ist genauso verboten wie fremde Briefe zu lesen“, fügte sie hinzu.
Paul seufzte und sauste weg.
„Warum hat er das alles nur gemacht?“, staunten die Kinder.
„Wartet“, sagte Mimi, „ich schlage vor, dass wir morgen in der Schule zusammen zu unserer Lehrerin gehen und ihr von allem erzählen, was passiert ist. Das sind Fragen, die Erwachsene klären müssen.
Euch allen aber würde ich empfehlen, mit mir zusammen zur Digitalen Schule zu gehen, damit ihr alles, was man im Internet machen und nicht machen darf, lernen könnt. Selbst wenn ihr schon im Internet surfen und chatten könnt, wisst ihr immer noch nicht alles. Das Internet entwickelt sich schnell. Darum muss man immer am Ball bleiben, denn Übung macht den Meister. Apropos Ball, lasst uns jetzt Ball spielen! Schön, dass wir uns haben und uns trotz der interessanten Dinge im Internet auch auf der Wiese zum Spielen treffen.“
Und du, lieber Leser, liebe Leserin, weißt du, wer nun der bekannteste Meeressäuger der Welt ist? Wenn nicht, schau bei einer Kindersuchmaschine nach! 😉
Viel Glück!
Deine Valentina Dann

Projektpartner:

Gefördert durch:

DIGI-MEE[H]R – Sicher schwimmen im Internet ist ein Kooperationsprojekt der Verbraucherzentrale Berlin e.V. und dem Club Dialog e.V., gefördert von der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung Berlin.

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